Woche 31 im Van – Ziele – Leben – Theorie U

Woche 31 im Van – Ziele – Leben – Theorie U

Diese Woche ist das Wetter im Norden Spaniens und Portugals überwiegend mit Regen gesegnet. Gut für die Natur, zwingt einen aber, die Reisepläne zu überdenken.

Nach einer stürmischen Nacht auf einer Klippe bei der As Catedrais Beach (unbedingt besuchen, wenn man in der Nähe ist) ging es weiter nach Santiago de Compostela. Wieder Regen und ein festgefahrener Van des Camperfreundes, den ich rausziehen musste. Dabei einiges gelernt. Beispielsweise immer ein Abschleppseil dabei haben und wissen, was dann zu tun ist.

Ziele setzen, ändern

Reisepläne geändert. Vom zunächst erst mal spontanen Reisen mit täglichen Frage, wo will ich als Nächstes hin, musste ich feststellen, dass ich mich nicht wirklich treiben lassen kann. Schließlich bin ich es mein Leben lang gewohnt, mir Ziele zu setzen. Ob es sich dabei um berufliche oder persönliche Ziele handelt, sehe ich da keinen Unterschied.

Wenn ich so am Sonntag früh um sechs Uhr dieses Thema reflektiere, fallen mir die ganzen Posts z.B. bei LinkedIn ein, die sich überwiegend mit Karriere und dem Bereich Arbeit beschäftigen. Mit schneller, weiter, höher. Aber es gibt auch immer mehr Stimmen, wie man mit mehr Achtsamkeit sein Leben gestalten sollte. Noch sind es wenige. Mit meinen Artikeln möchte ich dazu Impulse setzen.

 Leben ist nicht nur ARBEITEN

Mit 25 Jahren bin ich völlig in meiner Arbeit aufgegangen. Manchmal waren zehn Stunden nicht genug, um alles zu erledigen. Ich hatte wunderbare Kollegen, ein spannendes Arbeitsgebiet, stand auf der Karriereleiter ganz weit oben. Alles hat gepasst. Freizeit? Ja, manchmal, aber auch die war getaktet, eingebettet in mein Arbeitsleben.

Bis zum Tag X. Es war Ostersamstag als ich einen Hörsturz bekam. Natürlich hatte ich keine Ahnung, was mit mir geschah. Eine Freundin hat mich in die Klinik gefahren, die mir jedoch klarmachten, dass eine Untersuchung erst nach Ostern stattfinden könnte. An Feiertagen wurden nur schwere Notfälle behandelt. Also ging ich wieder nach Hause. Das Ergebnis des Hörsturzes. Tinnitus. Der mich seitdem in meinem Leben begleitet. Stress, meinte der Professor. Sie arbeiten zu viel. Aber, meinte ich, mir macht die Arbeit doch Spaß und ich fühle mich in meinem Arbeitsumfeld wohl. Nun, meinte der Arzt, das interessiert ihren Körper allerdings nicht. Wenn dem Körper die Regenerationszeit fehlt, sucht er sich irgendwann einen Weg, Sie darauf aufmerksam zu machen. Seien Sie froh, dass es nichts Schlimmeres ist.

 Nun ja, das restliche Leben an Tinnitus zu leiden – da muss man sich erst mal daran gewöhnen. Da mir die klassische Medizin nicht helfen konnte, habe ich es mit Alternativen versucht. Ich habe begonnen, zu meditieren. Und ich muss sagen, dass dies mit dem ständigen Ohrgeräusch eine echte Herausforderung war. Aber es gelang mit, den Ton zu integrieren. Jetzt ist er mal stärker, mal schwächer.

Freiräume schaffen

Was ich geändert habe? Durch jahrelange Meditation und Selbstreflexion habe ich mich mit dem Geräusch ausgesöhnt. Ich habe mir andere Ziele gesetzt. Ziele, die Freiraum schaffen,  Genuss integrieren, soziale Bindungen festigen. Dinge, die zu meinem persönlichen und emotionalen Wohlbefinden führen. Zudem habe ich mir damals bewusst gemacht, dass es kein Arbeitgeber wert ist, seine Gesundheit zu ruinieren.

Seit ich auf meiner Reise bin, treffe ich immer wieder auf Menschen, die in den vorzeitigen Ruhestand treten, da sie enttäuscht von ihren Arbeitgebern sind, die der Arbeit, die sie über Jahre hinweg für das Unternehmen geleistet haben, nicht wertschätzen. Diese Menschen sind nicht nur enttäuscht, sondern verletzt. Eine Aussage fand ich besonders erschreckend. „Du bist nur noch ein teurer Posten auf der Payroll.“ Ein Mitarbeiter, der dem Unternehmen Millionenerträge beschert, wird auf diese Art und Weise entlassen. Dies führte bei ihm zu einem Burnout, einer Depression und direkt in die Erwerbsunfähigkeit.

Wenn es darum geht, im Unternehmen Kosten einzusparen, wo bleibt dann Menschliche? Sich jahrelang einzusetzen, um dann einen kalten Handschlag zum Abschied zu bekommen? Man ist raus. Vergessen.

Alternativen

Die jungen Menschen, denen ich auf meiner Reise begegne, suchen nach Alternativen. Sie wollen das Leben ganzheitlich gestalten. Ihre Arbeit, ihre Beziehungen, ihre Gesundheit und vor allem Sinn in dem finden, was sie tun. Raus aus den alten Mustern von nine to five, sich für ein Unternehmen aufopfern und seine persönlichen Interessen zu ignorieren.

 Ich bin seinerzeit in die Selbstständigkeit gestartet. Mit all ihren Höhen und Tiefen, Erfolgen und Misserfolgen, Freuden und Unsicherheiten. Das muss für andere nicht der Weg sein. Es geht darum, zu reflektieren, ob die Weichen, die man stellt, uns auch in die richtige Richtung bringen. Ich habe ja geschrieben, dass diese Reise auch eine Reise zu mir selbst ist.

In meinen Coachings erlebe ich viele, die ihren Job sehr gerne machen, die sich auch mit ihrem Unternehmen identifizieren, sich aber oft nicht gehört und verstanden fühlen von den Menschen in den Etagen, wo Entscheidungen getroffen werden. Die sich teilweise bis in einen Burnout oder eine Depression hinein manövrieren. Doch dann trifft sie die Wahrheit mit voller Wucht. Erst in der Reflektion erkennen sie, was dazu geführt hat.

 Theorie U

Seit einiger Zeit beschäftige ich mich mit der Theorie U. „Die am renommierten Massachusetts Institute of Technology (MIT, Boston) von Otto Scharmer entwickelte Theorie U geht von der Erkenntnis aus, dass die Wirksamkeit des Handelns am stärksten durch die innere Einstellung der/des Handelnden und der Orientierung auf die Zukunft beeinflusst wird. Dieses innere Wissen gezielt zugänglich und „zukunftsfähig“ nutzbar zu machen, ist Inhalt spezieller Individual- und Gruppenübungen entlang eines U-förmig verlaufenden Transformationsprozesses, dessen Resultat in konkrete Handlungsoptionen mündet.“ Quelle: Theorie U *D-A-CH https://theory-u.de.

 Dazu treffe ich mich wöchentlich mit einer kleinen, aber sehr feinen Gruppe. Wir arbeiten uns durch diesen Prozess hindurch. Im Moment sind wir bei den Prototypen. Als ich meine Reise begann, war ich ganz offen, was auf mich zukommt. In den letzten Wochen konnte ich feststellen, dass ich mich so langsam aus dem „gewohnten“ System entferne. Aber wirklich nur ganz langsam. Es ist schon unglaublich, wie sehr man an Gewohnheiten hängt. Jetzt verlasse ich die Komfortzone und befinde mich in einer Art Zwischenstadium wo sich Neues entwickeln kann. Konkrete Ziele habe ich noch nicht formuliert, aber ohne Ziele fühle ich mich auch ein wenig „lost“. Diese Woche erhielt ich von einem meiner Peerkollegen einen inspirierenden Impuls. Auf die Frage, wie es ihm im Moment gehe, antwortete er: „Mein Prototyp sortiert sich jeden Tag neu und das fühlt sich gut an.“ Diesen Satz habe ich für mich übernommen und bin mal gespannt, was sich in der nächsten Zeit entwickeln wird.

Diese Woche geht es auf die Estrada National 2 (EN 2). Diese verläuft von Norden bis in den Süden Portugals und ist 738,5 km lang mit verschiedenen interessanten Stationen. Zur Zeit bin ich mit einem Camperfreund auf diese Route unterwegs. Gestern sind wir ca. 150 km die N222 mit dem Motorrad entlang gefahren. Eine traumhafte Gegend, wo die Reben für den Portwein wachsen. Nachdem sich für die nächsten Tage Regen angesagt hat, haben wir einen kurzen Schlenker nach Porto eingebaut und fahren dann Anfang nächster Woche auf der EN2 weiter. Für die Motorradfahrer*innen unter den Lesern. Diese Strecke ist absolut zu empfehlen.

Learnings diese Woche:

  • Dem Prototypen die Chance geben, sich täglich neu zu generieren.
  • Dankbarkeit für die Menschen, die ich kenne und kennenlerne.

Das wars für diese Woche. Bleib gesund und heiter.

 

 

 

Woche 30 im Van – Stille – Kunst und Kultur

Woche 30 im Van – Stille – Kunst und Kultur

Diese Woche bin ich ein wenig langsamer angegangen. Wenn man wie ich unterwegs ist, trifft man auf Menschen, deren Lebensläufe sich doch zu den meisten unterscheiden. Mit den meisten meine ich diejenigen, die einem „normalen“ Job nachgehen, also irgendwo angestellt sind und von nine to five und mehr arbeiten.

Stille

Jeder Tag beginnt damit, zu überlegen, wo die nächste Station und der nächste Stellplatz sein könnte. Die Flexibilität, die man dabei hat, ist sehr groß. Man kann spontan sich umentscheiden, wenn man nun doch noch etwas anderes ansteuern möchte. Beispielsweise bin ich gemeinsam mit Bernd, den ich ein paar Tage vorher kennengelernt habe, in die Picos gefahren. In ein ursprüngliches Dorf, in dem eine unglaubliche Ruhe geherrscht hat. Wenn man von dem Geläute der Glocken bei den verschiedenen Tierarten wie Kühe, Schafe und Ziegen mal absieht. Interessant fand ich, dass selbst die Hunde im Dorf überhaupt nicht gebellt haben, wenn man am Grundstück vorbeigelaufen ist. Der einzig bellende Hund war der Stadthund eines spanischen Paares, das mit uns auf dem Stellplatz übernachtet hat. Ausgestiegen und erst mal die Kühe angebellt.

Nach einem nächtlichen Spaziergang durch dieses liebliche Dorf saßen wir noch für einen Tee vor unseren Kastenwagen und wurden von neugierigen Pferden besucht. Die Tiere hier sind so friedlich, wie ich das noch nie erlebt habe. Dabei ist es hier im Sommer voll von Wanderern.

Die Fahrt in die Picos war übrigens ein echtes Highlight. Kurve um Kurve schlängeln sich die Straßen am Berg entlang. Immer direkt den Abgrund neben sich. Ein Eldorado für Motorradfahrer. Es geht höher und höher und man fragt sich,  wann die Straße zu Ende ist. Kommt einem zwischendurch ein anderes Fahrzeug entgegen, dann geht es um Zentimeter. Links der Berg, rechts der Abgrund.

Auf der Rückfahrt haben wir noch eine kurze Wanderung auf der Ruta del Cares hingelegt. Erst mal steil empor, aber auch hier immer am Abgrund entlang. Unten fließt der Rio Cares. Ein wunderbares Wandergebiet und auch hier persönliche Begegnungen mit friedvollen Bergziegen.

Der nächste Tag war dann das Kontrastprogramm. Auf einem Stellplatz am Meer mit Surfern, die die halbe Nacht feiern. Am frühen Morgen habe ich dann die Flucht ergriffen. Geplant war eigentlich, dass ich hier das Wochenende bleibe. Das wäre mir aber zu anstrengend geworden. Also weiter zur nächsten Station.

Lebenskonzepte

Kennengelernt habe ich eine Ehepaar Mitte vierzig, die seit zwei Jahren mit ihrem zum Campingfahrzeug umgebauten LKW durch Europa reisen. Warum und wie sie das machen, werde ich in einem meiner nächsten Podcasts schildern. Und Bernd ist Bio-Landwirt, dessen Tochter in das Geschäft mit eingestiegen ist und der sich mehrmals im Jahr Auszeiten gönnt und mit seinem Van Europa bereist. Was ich bisher bei all meinen Begegnungen mit Menschen festgestellt habe, die ein anderes Lebenskonzept fahren und nicht nur in Rente oder im Urlaub sind: Diese Menschen brauchen nicht viel um glücklich zu sein. Dabei geht es nicht darum, nichts zu tun, sondern sich sein Leben so zu gestalten, dass man damit glücklich ist. Und das ist nicht immer mein Haus, mein Boot, mein … ihr wisst schon.

Kunst und Kultur

Über das Wochenende habe ich wieder einen festen Stellplatz gefunden. Dort bleibe ich bis Montag stehen, da am Wochenende auch viele Spanier mit ihren Wohnmobilen unterwegs sind. Am Freitag noch einmal kurz den Botanischen Garten und die Universität von Gijon besucht. Sie ist das größte Gebäude Spaniens und befindet sich am Rande der Stadt. Sie wurde zwischen 1946 und 1956 in der Franco-Zeit gebaut und ist das wichtigste architektonische Werk des 20. Jahrhunderts in Asturien.

Der Samstagmorgen war dann Museumsbesuchen gewidmet. Noch ein kurzer Gang über den Markt und dann wieder raus aus den Menschenmassen. Hier wimmelt es am Wochenende nur so flanierenden und Sport treibenden Menschen. Sowohl die Einheimischen wie auch die Touristen sind hier zahlreich unterwegs.

 Gedanken unterwegs

Wenn ich so alleine im Auto sitze und durch diese wunderbare Landschaft fahre, wenn ich manchmal aus dem Staunen über die Schönheit der Natur nicht mehr herauskomme, stelle ich mir immer wieder die Frage:

  •  Was braucht man im Leben, um wirklich glücklich zu sein?
  • Was brauchst du in deinem Leben, um glücklich zu sein?

Vielleicht kann ich diese Frage nach diesen Reisemonaten beantworten. Im Moment jedenfalls noch nicht. Jetzt genieße ich einfach das, was mir jeden Tag begegnet. Ich denke bei meinen Fahrten auch öfters an Menschen, die ich verloren habe und die so vieles in ihrem Leben noch geplant hatten und es dann doch nicht mehr erleben konnten. Deshalb kann ich jedem nur empfehlen, die Dinge nicht aufzuschieben die man sich wünscht, sondern sie jetzt zu tun.

Learning diese Woche:

  • Tu das, dir wichtig ist jetzt. Schiebe es nicht auf.
  • Wenn es ein Problem gibt, bleib erst mal cool und schau genau hin, wie groß das Problem wirklich ist.

 (Als nämlich bei stockdunkler Nacht hoch auf dem Berg meine Schiebetüre nicht mehr zuging, bin ich echt in Stress geraten. Sollte ja unter 5 Grad geben. Habe zwar alles angeschaut, aber nicht gesehen, dass ein Klebehaken sich an der Tür festgesaugt hatte. Meinem Reisebegleiter Bernd, den ich um Hilfe bat, ist das dann gleich aufgefallen.)

Das wars für diese Woche. Bleib gesund und heiter.

Woche 29 im Van – Sturm – Kunst -Bilbao …

Woche 29 im Van – Sturm – Kunst -Bilbao …

Diese Woche bin ich ein wenig ruhiger angegangen. Obwohl ich feststelle, dass es mir immer noch schwerfällt, Tempo rauszunehmen. Sonst habe ich ja immer nur maximal zwei Wochen Urlaub am Stück gemacht und mich über manche Aussagen gewundert, dass man erst nach drei Wochen den eigentlichen Entspannungseffekt erreicht. Das kann ich nun selbst erfahren. Dabei war ich sonst immer der Meinung, dass ich auch in zwei oder drei Wochen sehr gut runterfahren kann. Das scheint wohl doch nicht so zu sein. Auch wenn man das glaubt. Eine wirkliche Entspannung ist bei mir bis dato noch nicht eingetreten.

San Sebastián

Also hatte ich mich entschlossen, nach 2500 km in einer Woche endlich mal eine Pause einzulegen. Deshalb einen Campingplatz gesucht, wo ich Strom, Dusche und die Gelegenheit zum Wäsche waschen habe. In Zarautz stand ich oben auf der Klippe mit Blick über das Meer. Die ersten Tage war super Wetter, so dass ich mich mit dem Roller nach San Sebastian gewagt habe. Aber eigentlich musste ich dort hin, da ich ein Problem zu lösen hatte. Beim Versuch, eine Halterung an meinen Rückspiegel zu montieren, wurde der gesamte Spiegel so verdreht, dass ich beim Fahren nicht wirklich sehen konnte, was hinter mir geschieht. Zudem hat das mit dem Anbringen sowieso nicht funktioniert. Also geplant, zu einer Motorradwerkstatt meines Herstellers nach San Sebastian zu fahren. Sind ja nur ca.25 km eine Strecke. Aber mit Google.Maps, das kein Ansagen macht, war das eine echte Herausforderung. Über Nationalstraßen, Landstraßen, Autobahnen durch das Straßennetzwerk von San Sebastian habe ich es trotz einer Widrigkeiten geschafft, an meinem geplanten Ort anzukommen. War anstrengend, aber ich war auch stolz, dass ich es bewältigt habe. Schließlich bin ich keine erfahrene Rollerfahrerin mit gerade mal 500 km Praxis. Ich muss hier allerdings feststellen, dass die Spanier einen in keiner Weise auf der Straße bedrängen, auch wenn ich mal ganz langsam um eine Haarnadelkurve schleiche. Das kenne ich aus Deutschland anders. Da fahren die PKWs und LKWs mir fast auf die Hinterräder auf. San Sebastián ist auf alle Fälle eine Reise wert. Ein wunderschöner Ort und eine entspannte Atmosphäre. Hier würde ich gerne wieder herkommen.

Schlechtwetter

Nach den schönen Tagen kündigten sich Sturm und Regen an. Diese Zeit nutzte ich mal wieder, um zu arbeiten. Es war jetzt das erste Mal seit Beginn meines Experimentes, dass ich zwei Tage fast nur im Van saß. Da merkt man schon, dass einem die Bewegung fehlt. Eigentlich wollte ich meinen nächsten Podcast aufnehmen, aber der Geräuschpegel durch den Sturm und Regen im Van war so hoch, dass dies nicht möglich war. Hoffe, es gelingt mir in dieser Woche.

Guggenheim-Museum Bilbao

Die nächste Station war Bilbao. Hier bin ich eigentlich nur wegen des Guggenheim-Museums mit seiner imposanten Architektur hergekommen. Es steht am Ufer des Flusses Nervión. Architekt ist Frank O. Gehry. Aber auch die Ausstellung Moderner Kunst ist absolut sehenswert. Das Museum hat eine Ausstellungsfläche von 11.000 qm. Deshalb ist das ganze auch sehr entspannt. Man drängelt sich nicht um die Kunstwerke, die Räume bieten viel Platz zum Betrachten der Kunstwerke. Neben einer ständigen Ausstellung gibt es dort auch Wanderausstellungen. Besonders beeindruckend fand ich das begehbare Kunstwerk von Richard Serra im Erdgeschoss des Museums. Es sind monumentale Skulpturen aus rostigem Stahl. Man könnte es auch als XXL-Kunstwerk bezeichnen. Die Skulpturen sind begehbar, was den Besuchern hörbar viel Spaß macht, deren Rufe und Töne im gesamten Raum wiedergegeben werden. Ich empfinde es als ein Glück, dass diese Skulpturen gerade jetzt hier ausgestellt werden. Denn sicher gibt es nicht viele Museen auf dieser Welt, in der diese Installation hineinpassen würde. Ansonsten finde ich auch die restliche Ausstellung absolut empfehlenswert. Wer eine Reise nach Bilbao macht, darf an diesem Museum nicht vorbeigehen.

Ansonsten war ich von Bilbao überfordert. Ich weiß nicht, wann ich zuletzt so viele Menschen auf der Straße gesehen habe. In New York, ja. Aber hier ist es zusätzlich auch noch sehr laut. Deshalb verschwinde ich auch gleich wieder. Mein Ziel hier war auch nur das Museum.

Learning diese Woche

  • Probleme löst man leichter, wenn man dabei entspannt bleibt

Das wars für diese Woche. Bleib gesund und heiter.

Woche 28 im Van – Alles nicht so einfach – und doch so schön …

Woche 28 im Van – Alles nicht so einfach – und doch so schön …

Am Sonntag bin ich zu meiner 4monatigen Reise aufgebrochen. Die Wochen davor waren noch ziemlich stressig, da ich viele Seminare und Workshops hatte und das verteilt auf ganz Deutschland. So habe ich jetzt eine Woche gebraucht, um einigermaßen runterzufahren. Dabei eine Strecke von fast 2000 km hinter mich gebracht. Irgendwie fühlte es sich an, wie im sonstigen Alltag. Von Termin zu Termin. Hier – von Ort zu Ort und Stellplatz zu Stellplatz. Auf der Reise quer durch Frankreich ist mir aufgefallen, wie wunderschön dieses Land ist. Das konnte ich erleben, da ich keine Autobahnen genutzt habe. Aufgefallen ist mir aber hier auch die Landflucht. Viele Häuser sind verfallen – wobei, das ist nicht der richtige Ausdruck. Es ist wohl eher so, dass im Gegensatz zu uns Deutschen die Franzosen und auch Spanier nicht so extrem viel Wert auf ihre Häuser legen. Trotzdem, dass sie teils verfallen waren, hatten sie ihren Charme, den ich so bei uns noch nicht gesehen habe.

Interessantes erleben

Auf meiner Route durch Frankreich habe ich einen Schlenker Zur größten Wanderdüne Europas in der Nähe von Arcachon gemacht. Das war schon spektakulär. Ungefähr 2,7 Kilometer ist die Düne lang und ca. hundert 110 Meter hoch. Sie wandert zwischen 50 Zentimetern und 5 Metern im Jahr. Diesen Sommer ist dort ein sehr großes Waldstück abgebrannt einschließlich des Campingplatzes bei der Düne .Genauso interessant fand ich den Bahnhof in Canfranc, der im Jugendstil erbaut wurde. Frankreich und Spanien hatten unterschiedlich breite Gleise und so mussten die Fahrgäste in diesem Bahnhof vom französischen Zug in den spanischen Zug umsteigen und deswegen ist der Bahnhof auch wirklich irre lang. Leider wird er gerade renoviert und so konnte ich ihn innen leider nicht besichtigen.

Von dort ging es weiter nach Saragossa. Hier bin ich mit der Bahn in die Stadt rein gefahren und habe die Stadt zu Fuß erobert. Besonders interessant fand ich die Markthalle mit ihren frischen Angeboten an Fisch und Fleisch. Nichts für Vegetarier und Veganer. Die Kirchen in Spanien sind ja alle sehr opulent ausgestattet. Mich erschlägt das fast. Deshalb gefällt mir die Familia Sagrada in Barcelona so gut. Sie ist hell, hoch und ganz besonders. Diese hatte ich mir allersdings bei einer anderen Reise schon mal angeschaut.

 Neue Lebens- und Arbeitsmodelle finden

Unterwegs habe ich übrigens ein ganz nettes Pärchen mit ihrem 11 Monate alten Sohn kennengelernt. Die drei leben auch schon eine ganze Weile in ihrem Van und sind am überlegen, welches Lebens- und Arbeitsmodell sie künftig leben wollen. Marko arbeitet im IT Bereich und Daniella war vorher in stressigen und herausfordernden Jobs in mehreren Unternehmen. Sie hat immer sehr viel gearbeitet und sich dann entschieden, sich dem Baby zu widmen, sobald es auf die Welt kommt. Mit ihrem selbst ausgebauten Van sind sie jetzt auf der gleichen Route wie ich unterwegs.  Bin mal gespannt wo ich sie wieder treffe, denn ich würde gern ein Interview mit den beiden führen. In den Bardenas Reales habe ich eine junge Polizistin getroffen, die ebenfalls nach einer anderen Lebensversion sucht.

 Wunderbare Orte

Ein lohnenswerter Ort ist die Stadt Tarazena. Insbesondere die Geschichte ist interessant. Dort haben viele Kulturen und Religionen nebeneinander gelebt und das Stadtbild beeinflusst. Die Christen, Juden und Moslems. Alle haben sie an verschiedenen Stellen in der Stadt ihre Handschrift hinterlassen. Rita, die einige Jahre in Deutschland gelebt und gearbeitet hat, gab mir eine schnelle Führung durch den Ort. Sie hatte nur wenig Zeit, da sie zu einer Yogaausbildung fahren musste. Ich fand es ganz wunderbar, dass sie sich doch ein wenig Zeit genommen hat und mich auf Dinge aufmerksam gemacht hat, die ich überhaupt nicht wahrgenommen habe.

Wo bleibt die Ruhe?

Trotz vieler Eindrücke, Städte und Stellplätze bin ich noch nicht wirklich zur Ruhe gekommen. Jetzt stehe ich in einem kleinen Bergdorf auf einem Plateau mit Blick bis in die Pyrenäen und habe das erste Mal das Gefühl, runterzufahren. Zum Sonnenaufgang bin ich noch schnell durch die Bardenas Reales gebrettert, um mir diese Halbwüste anzuschauen. Ich empfehle jedem, ganz früh loszufahren. Sonst wird das fast ein Verkehr wie auf einer Autobahn. Alles ist Schotterstrecke auf der Wohnmobile, Autos, Motorräder, Fahrräder und Fußgänger unterwegs sind. Ich war froh, nach vier Stunden wieder Asphalt unter den Reifen zu haben und dass das Klappern im Van endlich Ruhe gefunden hat und ich auch.

Nun genieße ich zum ersten Mal den Abend und hoffe auf einen schönen Sternenhimmel. Hier gibt es kein Licht und keine Luftverschmutzung. Jetzt muss nur noch das Wetter mithalten.

Learnings diese Woche

  • Es ist gar nicht so leicht, richtig abzuschalten – man muss sich dafür Zeit lassen und darf es nicht erzwingen.
  • Man trifft überall auf liebenswerte Menschen, wenn man selbst aufgeschlossen ist.

Bis nächste Woche. Bleib gesund und heiter.

Woche 27 im Van – letzte Arbeitswoche – Wir collaborieren erfolgreich! – Start ins Abenteuer

Woche 27 im Van – letzte Arbeitswoche – Wir collaborieren erfolgreich! – Start ins Abenteuer

Diese Woche waren meine letzten Präsenztrainings für dieses Jahr. Montag konnte ich beim Kunden eine Baustelle besichtigen, was ich wirklich sehr spannend fand. Erfreut war ich, als ich die großen Wände mit Aufgabenkarten sah und mir der Geschäftsführer erklärte, dass sich alle Verantwortlichen des Projektes jeden Morgen für eine halbe Stunde treffen, um zu besprechen, was gerade wie läuft oder auch nicht. Toll!

Wozu brauchen Sie denn sowas?

Grund dieser Veranstaltung war folgender: Vor zwei Jahren regte ich in einem Assistenzseminar in diesem Unternehmen die Teilnehmerinnen dazu an, sich doch mehr auszutauschen und sich gegenseitig wissensmäßig und persönlich zu inspirieren. Also ein Netzwerk zu schaffen, wo man sich regelmäßig trifft und austauscht. Daraufhin wurde das Team „PowerAssistenz“ gegründet. Drei der am Seminar Teilnehmenden ergriffen die Initiative und wollten das Projekt in die Praxis umsetzen. Jetzt könnte man denken, das ist doch ganz einfach. Weit gefehlt.

Als die federführende Assistentin für dieses Netzwerk einen TEAMS-Kanal anlegen wollte, traf sie direkt auf Erstaunen und klare Ablehnung der Entscheider. „Wozu brauchen Sie den sowas? Das können Sie vergessen!“ Wie bitte? Schon seltsam, welchen Stellenwert eine Assistentin/Assistent in einem Unternehmen haben kann. Aber mal ganz ehrlich! Ohne die Kompetenzen und Fähigkeiten, ohne das Engagement und die Motivation der Assistenzen würde vieles im Betrieb überhaupt nicht laufen. Sie halten die Fäden zusammen, übernehmen ungeliebte Arbeiten, organisieren und nehmen andern vieles ab, das diesen unnötig Zeit rauben würde. Zudem wichtige Personen an der Schnittstelle zu den Vorgesetzten.

Assistenzen wollen ein Netzwerk zur Collaboration gründen? Das gab es ja noch nie in diese doch recht konservativen Unternehmen? Allein schon der Begriff Collaboration stieß seinerzeit selbst bei den Assistentinnen auf Ablehnung. Nein, dieses Wort kam im Unternehmen nicht vor. Interessanterweise steht genau dieser Begriff seit diesem Jahr in den Unternehmenswerten an erster Stelle. Na also, geht doch!

Endlich kann die Collaboration starten

Nach über einem Jahr und mit Unterstützung der Personalentwicklung hatten sie schließlich den TEAMS-Kanal und konnten starten. So offiziell, dass bei der ersten von den Assistenzen organisierten größeren Präsenz-Veranstaltung sowohl Geschäftsleitung wie auch Standortleitung dabei waren, uns begrüßt und das Baustellenprojekt vorgestellt haben. Immerhin waren fast zwanzig Assistenzen der verschiedenen Einheiten aus ganz Deutschland zu diesem Workshop und der gemeinsamen Baustellenbesichtigung in Hamburg eingetroffen. Das war ein toller Erfolg!

Ein Netzwerk lebt von den Menschen, die sich aktiv daran beteiligen. Im Workshop wurde der Sinn und Nutzen der Collaboration herausgearbeitet und wie sich das Netzwerk künftig aufstellt und organisiert. Da gab es in den Bearbeitungsphasen verschiedene Erkenntnisse, Ansichten und Meinungen. Durch das persönliche Treffen und den Austausch wurde das Gefühl der Zusammengehörigkeit gesteigert und was ganz besonders wichtig war: Man hat die Menschen, die man sonst nur am Telefon hat, endlich mal persönlich getroffen. Das fanden alle sehr wertvoll.

Ich bin gespannt, wie es weitergehen wird. Übrigens: Fast wäre das Projekt gescheitert. Eine Assistentin war besonders hartnäckig und hat sich trotz vieler Hürden nicht entmutigen lassen. Oft hat man die Erwartung, dass andere vom eigenen Projekt genauso begeistert sind und ist dann enttäuscht, wenn bei einem Meeting nur fünf von 21 Eingeladenen da sind. Ich durfte ihr immer wieder bewusst machen, dass genau diese fünf Personen besonders wichtig und wertvoll für die Collaboration sind. Und nun hoffen wir, dass durch unsere Veranstaltung das ganze Projekt nochmals einen ordentlichen Schwung bekommen hat und sich weitere daran beteiligen werden. Das im Workshop geschaffene Programm hört sich jedenfalls sehr vielversprechend an.

Letzte Vorbereitungen

Dann hatte ich noch ein eintägiges Seminar mich danach an die letzten Vorbereitungen für meine Reise gemacht. Checkliste abgehakt, Auto gecheckt. Alles dabei? Na ja, bin ja nicht aus der Welt. Die ersten drei Stellplätze sind auch schon fix. Das bringt mir am Anfang eine gewisse Sicherheit. Für mich ist das Ganze auch ein Experiment, wie gut ich mich aus der Geschwindigkeit des Businesskontextes herausschälen und mich einfach nur mal gleiten lassen kann. Ich lasse das alles auf mich wirken in den nächsten Tagen und berichte weiter.

 Learning diese Woche

  • Ein Netzwerk zu gründen und am Laufen zu halten, erfordert Engagement und Offenheit von jedem Einzelnen.

 Bis nächste Woche. Ich bin jetzt erst Mal auf dem Weg nach Bordeaux. Bleib gesund und heiter.