VANLIFE · REISEBERICHT · PERSÖNLICHE BILANZ

Vier Jahre, ein Van, keine einfachen Antworten

Eine ehrliche Bilanz aus dem Leben unterwegs


Wer hier schon länger mitliest, hat gemerkt: Es war lange still auf dieser Seite. Das hatte einen Grund. Ich habe mich neu aufgestellt — mit einer eigenen Website unter frei-raum-unterwegs.de, einem Instagram-Kanal und einem YouTube-Kanal. Dort ist in der Zwischenzeit einiges passiert. Aber für eine Bilanz nach vier Jahren Van-Leben fühlte sich dieser Ort richtig an. Also: Hallo nochmal.

Es ist kein Instagram-Leben. Es ist ein echtes.

Vier Jahre. Mehr als 1.400 Tage. Mehr oder weniger durchgehend im Van. Ich sage „mehr oder weniger“, weil das Leben unterwegs selten so linear verläuft, wie man es sich vorstellt — und weil Ehrlichkeit mir inzwischen wichtiger ist als ein glatter Erzählfaden.

DIE LÄNDER

🇫🇷 Frankreich🇪🇸 Spanien🇮🇹 Italien🇵🇹 Portugal🇩🇰 Dänemark🇸🇪 Schweden🇳🇴 Norwegen🇩🇪 Deutschland

Im Sommer zieht es mich meistens in den Norden — nach Deutschland oder in die skandinavischen Länder, wenn die Temperaturen im Süden zu drückend werden. Den Winter hingegen verbringe ich lieber dort, wo die Sonne noch Kraft hat.

Norwegen hat mich tief beeindruckt — und gleichzeitig gestresst. Die Landschaft ist von einer Schönheit, die einen sprachlos macht. Aber man kommt einfach nicht vorwärts. Enge Straßen, atemberaubende Fjorde, und überall das Bewusstsein: hier möchtest du langsamer sein als du bist. Ich war zum Glück im Juni und Juli dort, bevor der große Ansturm kommt. Ich kann mir kaum vorstellen, wie es aussieht, wenn sich die Campervans Stoßstange an Stoßstange durch die Serpentinen wälzen.

„Der Süden ist trocken und karg und atmet Geschichte. Der Norden ist roh und still und überwältigend. Beides ist Natur. Beides verändert etwas in einem.“

DIE ARBEIT

Ich arbeite überwiegend online: Coachings mit Führungskräften und Privatpersonen, die inzwischen ausschließlich digital stattfinden. Dazu kommen noch einige Seminare im Jahr, bei denen ich persönlich vor Ort bin. Es funktioniert. Nicht immer reibungslos — schlechtes WLAN in einer norwegischen Bucht, ein Videocall mit Fjordblick, der einen plötzlich an die eigene Prioritätensetzung erinnert —, aber es funktioniert.

DIE MENSCHEN

Unterwegs begegne ich wunderbaren Menschen. Manchmal entstehen Kontakte, die nicht nach ein paar Tagen wieder abreißen — Menschen, mit denen echte Gespräche möglich sind, nicht nur Small Talk über Stellplätze und Dieselpreise. Diese Begegnungen sind es, die bleiben.

Aber ich bemerke auch etwas, das mich nachdenklich macht: Der Egoismus nimmt zu. Regeln, die Länder für Camper aufgestellt haben — oft zum Schutz von Natur und Anwohnern —, werden von immer mehr Menschen schlicht ignoriert. Die Folge: Plätze, an denen man früher frei stehen konnte, werden gesperrt. Nicht wegen der Natur. Sondern wegen uns. Ich möchte darüber nicht klagen, aber schweigen kann ich darüber auch nicht.

In den meisten Ländern erlebe ich die Menschen als entspannt und offen. Einzig in Deutschland — und bei manchen Deutschen im Ausland — spüre ich manchmal eine Anspannung, die schwer zu beschreiben ist. Ein Anspruchsdenken, das auch im Urlaub nicht Pause macht.

DER MITREISENDE 🐩

Seit zwei Jahren bin ich nicht mehr allein unterwegs. Ich habe einen Kleinpudel — und wer jetzt fragt, wie es dazu kam: Ich wurde es gewissermaßen gelehrt. Immer wieder lagen die Hunde anderer Reisender vor meinem Camper. Immer wieder sagten mir deren Besitzer mit einem Lächeln, das könnte wohl eine Bedeutung haben. Irgendwann habe ich aufgehört, das wegzulachen — und mir einen kleinen Welpen geholt.

Was ich seitdem weiß: Mit Hund reist man anders. Man kommt schneller ins Gespräch mit Menschen. Ein Hund ist ein besserer Türöffner als jedes Gesprächsthema, das man sich ausdenkenken könnte. Und er ist einfach da — egal ob der Stellplatz schön ist oder nicht, ob das WLAN funktioniert oder ob man traurig oder fröhlich ist. Für mich ist er eine große Bereicherung und Freude.

DIE REALITÄT

Vier Jahre Van bedeuten auch: manchmal keinen Schlafplatz finden. Manchmal kein Wasser. Eine volle Toilettenkassette zur Unzeit. Es ist kein Instagram-Posting-Leben. Manchmal ist es einsam — und man wünscht es sich genau so. Manchmal ist es zu voll — und man wünscht sich die Stille zurück.

Und dann gibt es diese Momente, in denen man bemerkt, dass man mal wieder zu schnell gefahren ist. Dass Dinge nur im Vorbeigehen wahrgenommen wurden. Landschaften, Orte, Menschen. Erst Wochen später fragt man sich: Warum die Hast? Aber das Schöne ist: man kann zurück. Beim nächsten Mal.

„Manchmal fühlt man sich einsam. Manchmal wünscht man sich die Einsamkeit. Beides gehört dazu.“

DAS FAZIT NACH VIER JAHREN

Ich würde dieses Leben nicht missen. Nicht die weiten Küstenstraßen Portugals, nicht die stillen Fjordnächte Norwegens, nicht die Gespräche am Lagerfeuer mit Menschen, die ich nie getroffen hätte, wäre ich zuhause geblieben.

Es ist kein perfektes Leben. Es ist ein echtes. Und so lange ich kann — und so lange ich Lust habe — werde ich dabei bleiben. Und wenn dich meine weitere Reise interessiert, dann abonniere gerne meinen Newsletter auf frei-raum-unterwegs.de.